Anmerkung der „Redaktion“: Das ist die zweite Besprechung der Coppeneur Uba Budo. Sowas kann in einem Gemeinschaftsblog schon mal vorkommen – auch das die Meinungen zu einer Tafel auseinander gehen! 😉

Das Gewand

Wie alle Cru-Sorten von Coppeneuer kommt auch diese besondere Sorte aus Sao Tomé – Kakao von der Plantage Uba Budo in einem exklusiven Kartongewand daher – hier mit braunorange aufgedruckter Banderole und mit dem Coppeneur-Siegel auf der Rückseite. Stil und edler Anspruch sind also bereits in die Verpackung eingebaut. Umfangreiche und vollständige Angaben auf der Rückseite über die Inhaltsstoffe, Nährwerte, Haltbarkeit etc. ergänzen dieses sehr professionelle Bild. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass schon die Verpackung ein besonderes Erlebnis verheisst und – in diesem Falle – auch tatsächlich einläutet.

Der Inhalt

Hat man das Siegel erst gebrochen, findet man die Tafel, ganz wie gewohnt bei Coppeneuer, aus einem Stück dünn gegossen, mit dem Siegel von Coppeneur auf der Vorderseite, in feiner Cellphanafolie luftdicht – die Schokolade ist noch nicht zu riechen – aromasicher verpackt, vor. Gegenüber den üblichen Verpackungen anderer Hersteller ist mit einer Geruchsbeeinflussung z.B. durch andere Lebensmittel kaum zu rechnen. Das Ganze wirkt auch hier edel – alles bei Coppeneur erscheint zudem ehrlich, umfassend und transparent.

Die Vorfreude

Zugegeben, bei einem Preis von etwa 3.30 € für 50g Schokolade erwartet man so Einiges. Wohl kaum würde man erneut so eine Tafel kaufen, wenn die weitere Erscheinung nun nicht hielte, was sie versprach ! Die Cellophn-Hülle vorsichtig geöffnet, entströmt ihr ein Duft, der so etwas wie plötzliche Glücksgefühle auszulösen vermag. Wer Kakaogeruch liebt, spürt sofort den besonderen Duft einer Schokolade, die nach nichts duftet ausser nach Kakao und Kakaobutter. Man setze sich nun mit geschlossenen Augen vor die Tafel und inhaliere durch die Nase. Da liegt sie nun, und es entsteht einen heftige Hemmung, dieses Schmuckstück zu zerbrechen. Denn das ist der Preis der Schönheit dieser Tafeln: Man muss sie zerstören, um sie so zu genießen, wie es ja nun einmal vorgesehen ist. Schöngeister nehmen womöglich jetzt ein Messer zur Hand. Ich meine, sie schmeckt besser, wenn man sie dann doch zerbricht. Das ist irgendwie wie mit einem Weinglas – Art und Dicke des Glases, also in gewisser Weise die Oberflächenbeschaffenheit, machen durchaus einen Unterschied ! Man breche, schneide, raffle, lecke aber nach eigenem Gusto. Auch das Stopfen der ganzen Tafel auf einmal in den Mund mag eine Lösung sein…:)

Das Erlebnis

Das erste Stück darf genossen werden ! Aussen auf der Packung steht: „Frische Note, Töne von Gewürzen und Nuancen von exotischen Hölzern“. Nun ja, Geschmäcker sind subjektiv und der Vergleich von Wein oder Schoggi mit ganz anderen Dingen trifft nicht immer das, was ein anderer Mensch empfindet. Dennoch, Fantasie muss und darf sein, denn eine Schokolade ist das hier einfach nicht, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Der Geschmack wandert von der Zunge über den Gaumen in den Rachen hinein und hält zu 100%, was versprochen wird. Persönlich kann ich den Holzton gut nachvollziehen, bin ich doch viel im klassischen Holzbootbau unterwegs gewesen. Sofort ist die Erinnerung an Hölzer wie Spruce, Pinie und vor allen Dingen Red Cedar da. Die Sorte Uba Budo entwickelt zudem ein angenehm rauhes Gefühl am Gaumen, das sehr an die Struktur von Holz erinnert, ähnlich wie Tannin sich beim Rotwein an dieser Stelle auswirkt. Diese Schokolade ist wahrlich ein haptischer Genuss – nichts ist glatt und schmierig – es ist einfach nur Charakter, den allerdings womöglich nicht jeder mag. Ein recht bitterer Unterton darf nicht verschwiegen werden, jedoch passt er einfach zum Gesamteindruck. Wer gern Zigarre raucht oder – so wie ich – nicht selbst raucht, aber in ungerauchtem Zustand riecht, dem wird sie mit Sicherheit munden. Sie ist ein herbe Schönheit, die auch tatsächlich an Gewürze erinnert. Den Begriff „Frische“ finde ich selbst aber zu subjektiv, wobei sie natürlich in keinem Fall muffig schmeckt. Aber eben doch gehaltvoll und in gewisser Weise eher „ernsthaft“ als einfach nur „frisch“. Diese Sorte ist neben Ocumare meine Lieblingssorte und bekommt aktuell eine 9+ auf der persönlichen Skala der Geschmackserwartung bis 10. Ein wahres Meisterstück, sei es nun seitens Coppeneur oder durch den tollen Kakao dieser Plantage bedingt.

Empfehlung:

Uba Budo hat einen ganz besonderen Abgang – diese Sorte hält besonders lange an und entwickelt auch nach dem Essen noch lange Minuten den Geschmack weiter. Nicht nur aus diesem Grunde sollte man nur 1 oder 2 Stücke essen und die Tafel dann für späteren Genuss fortlegen. Es braucht einfach nicht mehr, der Genuss nimmt sonst ab bzw. stört den Nachhall der ersten Stücke. Und das wäre doch zu schade, nicht wahr ?! Trauen Sie sich einmal, das erste Stück kräftig zu zerbeissen und erst das zweite Stück am Geuamen zergehen zu lassen. Essen Sie die Schokolade zudem einmal etwas kühler und einmal leicht angewärmt – die Unterschiede sind bemerkenswert.

Post von: Stefan | 08-20-2008 | um 21:26
Kategorien: Coppeneur

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