Kakaoproduktion in Ghana

14. August 2008

Andre meinte, ich sollte mal was über Ghana schreiben. Ich war 1996 für 3 Wochen in Ghana im Urlaub. Tolles Land, total nette Leute, ganz unverdorben und trotz Armut eines der recihsten Länder in Afrika – Goldküste eben, wie es früher genannt wurde – Cote d´Or lässt grüßen ! Also die Leute verdienten damals so um die 150 DM im Monat – ich meine die, die eine feste Arbeit hatten, was nicht so viele sind. Die Ghanaer sind irre Trommler – ich hatte das Vergnügen, bei der AAMA – Academy of African Music and Arts zu wohnen, in Kokrobite oder Krokobite (eines der ersten Dinge, die ich lernen durfte, war dass die Leute viele Dinge mal so und mal anders schreiben) etwa 20 km westlich der Hauptstadt Accra, direkt am Strand. Bei der AAMA traten öfters die Schüler von Mustafa Tettey Addy mit den Royal Drums of Ghana auf. ziemlich imposante Drums und absolut stark ! Während unseres Aufenthaltes haben wir dann auch eine 3-tägige Reise nach Kumasi gemacht, einem bedeutenden Handelsplatz und Markt mitten im Ashanti-Gebiet. Auf der Fahrt dorthin besuchten wir einen Freund unseres Fahrers, der ein kleine Kakaoplantage hatte. So konnten wir sehen, wie der „einfache Bauer aus Ghana an die Weltwirtschaft angekoppelt“ ist. Der ältere Herr zeigte uns zunächst seine Hütte, in etwas vergleichbar mit einem Schrebergartenhäuschen, wo er alles aufbewahrte, was er für den Kakaoanbau brauchte. Strom gab es keinen – nur eine alte Autobatterie, mit der er manchmal Radio hörte. Vor der Hütte einige Quadratmeter Strohmatten, auf denen sich Kakaobohnen sonnten – die hat er mehrmals am Tag gewendet, nachdem sie wohl vorher in halben Plastikkanistern fermentiert worden waren. Das erste Mal, dass ich eine Kakobohne gegessen habe – es hat ein paar Bohnen lang gedauert, bis ich mir einbilden konnte, dass da was nach Kakao schmeckt. Das haptische Gefühl fand ich aber gleich interessant. Der Bauer führte uns dann über seine etwa 5 ha große Plantage, die an einem Berghang lag. Die Bäume hingen relativ voll mit Früchten, die dort ähnlich wie gelbe Melonen aussahen. Wir haben dann gezeigt bekommen, daß die Kakaofrucht noch mehr zu bieten hat: Das Fruchtfleisch rund um die Bohnen ist extrem schmackhaft und schmeckt gleich nach mehreren Früchten. Es hängt so fest an den Bohnen, dass man sie mit in den Mund nimmt und nacher ausspuckt, wenn das Fruchtfleisch abgekaut ist. Seitdem hoffe ich immer, dass mal die ganzen Früchte zu uns exportiert werden. Kommt bestimmt irgendwann. Was nicht so toll ist, waren die ständigen Warnungen, nur ja keine Äste anzufassen – es gibt dort einen grüne Baumschlange, die wie eine kleine Luftwurzel aussieht und bevorzugt von Touristen „gefunden“ wird, die sich beim Gehen an Ästen festhalten wollen. Gesehen haben wir aber keine – ok das ist ja offenbar der Witz dabei… Was uns nicht so beeindruckt hat, war die Tatsache, dass dieser Bauer – und die anderen wohl auch – die Elefanatenbäume, das sind ziemliche Ungetüme, deren Stamm aussieht wie ein Elefantenbein, nur etwa 50 mal so dick, von innen ausräuchern. Angeblich nehmen sie dem Kakao das Wasser weg, was wohl auch stimmt, denn nah an so einem Baum wuchs eigentlich kein Kakaobaum. Da die Bäume offenbar zu groß zum Fällen sind (vielleicht ist das auch verboten), sterben sie einen langsamen Tod: Die Bauern schlagen mit der Axt ein Loch hinein und machen darin – ein Feuer ! Dieses unterhalten sie bei jeder Gelegenheit, bis der Baum abstirbt. Das ist natürlich bedauernswert, findet aber im großen Stile statt. Diese kleine Farm produzierte übrigens nur die Bohnen und verkaufte sie dann in Säcken an einen Händler. Die Preise sind wohl marginal, aber ich habe keine genaue Erinnerung mehr daran. Später haben wir dann gefragt, ob es in Ghana Schokolade gibt. Ich meine, es gibt da kaum Klimaanlagen oder Kühlschränke, für unsere Ferienanlage wurde jeden Morgen ein 100kg- Sack Eis aus Accra herbeigeschafft, in eine alte Truhe geschüttet und mit dem super leckeren STAR Bier der einzigen Brauerei in Accra bestückt – das hielt dann bis zum Abend. Also Schoko gibt es da – Jungens verkaufen sie in Riegeln zu 40 bis 100 Gramm auf der Straße. Man muss wissen, dass es da schon morgens oft 30 Grad und mehr im Schatten sind, also wie geht das ? Nun: Ghana ist das Land des Palmfettes – Ölpalmen wachsen überall und sind das Hauptprodukt schlechthin. Die Früchte werden im Überfluss geerntet und zu allem Möglichen verarbeitet – überall stehen Riesen-Kochtöpfe vor den Hütten, und auf dem Feuer, für das so ziemlich viel Holz geschlagen wird, kocht man daraus Palmöl und daraus macht man dann so eine Art Kernseife. Seit ich mal einen Führung bei Henkel gemacht habe, weiss ich, dass das Zeug auch in Persil ist. Die Ghanaer machen aber auch Palmwein und -schnaps, der Baum wird wirklich total verarbeitet. Und jetzt der Clou: In der Ghanaischen Schokolade ist Palmfett in rauen Mengen. Das schmeckt wirklich für unsere Gaumen nicht besonders gut – hat aber zur Folge, dass die Schoggi eben in der Sonne nicht wegläuft und man sie nicht trinken muss. Tja man kann halt nicht alles haben, und ich bin sicher, für die Ghanaer schmeckt die Sache toll. Ach so einen Sache muss ich noch erzählen: An unserem 3. Morgen hat es leicht geregnet. Als wir dann zum Frühstück kamen, so gegen 9 Uhr, war niemand da. Wir dachten schon an einen Feiertag. Dann kam ein Mann und wunderte sich, was wir denn dort machen. Er erklärte dann, dass in Ghana alle Leute bei Regen zuhause bleiben. Total relaxed, die Leute. Nach ein paar Tagen steckt das total an und nach 3 Wochen will man eigentlich lieber dort bleiben. Es gibt da eine Menge Lebenskünstler auch aus Deutschland, die arbeiten hier 2 Monate im Jahr und leben dann 10 Monate davon in Ghana mit den Musikern. Ghana ist für mich ein kommendes Urlaubsland, denn die Strände sind toll, die Leute sind nett und es gibt Aufbruchstimmung. Leider ist die Armut immer noch so groß, dass jede Stromleitung, die neu verlegt wird, gleich wieder aus den Bäumen verschwindet (Kupferpreis !), was auch für Rohre usw. gilt, wenn diese nicht sofort eingegraben werden. Man sägt sich also sozusagen die Stufen der Leiter ab, die man gerade hochklettert. Was noch total irre ist: Der Ghanaer kocht nicht – er GEHT lieber essen. Jeder der kocht, schlägt abend seine Feldküche an der Straße auf – und die, die nicht kochen, kommen vorbei und kaufen sich was für sehr kleines Geld. Eine Art von Kochgemeinschaft , die offenbar wunderbar funktioniert ! So, das war´s von einem Land, in das ich sicher noch einmal reisen werde. In den USA gibt es übrigens einen Mann, der hat dort vor einigen Jahren die erste Fabrik aufgemacht, die Schokolade in Ghana produziert:

http://www.globalgourmet.com/destinations/westafrica/omanhene.html

Diese ist sehr erfolgreich in den USA, aber man kann sie wohl noch nicht bei uns kaufen – der Webshop lässt es nicht zu. Hoffentlich bald – so eine Fabrik in Ghana – ok da gibt es wohl keinen Criollo – das wäre auch mein Traum. Fahrt mal hin und wenn das nicht geht – kauft kräftig Schokolade mit Kakao aus Ghana – und zwar nur die Beste, damit sich das Niveau dort steigert !

Habe eben noch das hier entdeckt – das Web verändert die Welt – alles ist erhältlich !!!

http://www.export-forum.com/africa/ghana-chocolate-bars.htm

P.S. Wenn ich hier irgendwo unvollständig war oder was Falsches geschrieben habe, bin ich dankbar für Kommentare, speziell von meinen afrikanischen Freunden, die ihr Land natürlich besser kennen und für die ich manches vielleicht etwas zu naiv dargestellt habe. Gewidmet und In memorian Aja Addy, meinen ehemaligen. leider zu früh verstorbenen Trommel-Lehrer !

Post von: Stefan | 08-14-2008 | um 23:04
Kategorien: Reiseberichte Kakao

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